Lesen ist eines meiner Hobbys, das ich allzu oft
vernachlässige aber in letzter Zeit wieder in meine Freizeit einzubinden
versuche, vor allem in Anbetracht der vielen ungelesenen Romane in meinem
Bücherregal.
Ich muss zugeben, der Titel „Die Wandersängerin“ klingt
nicht sonderlich vielversprechend. Er klingt eher nach einem weiteren 0/8/15
historischen Roman nach dem Motto Frau muss sich in einem Männerberuf im
Mittelalter alleine durchschlagen und wird dabei von vielen Schicksalsschlägen
getroffen trifft irgendwo ihre große Liebe mit der sie am Ende zusammenkommt,
obwohl es von Anfang an eher aussichtslos erschien. Einer von vielen
historischen Romanen, die gerade auf dem Markt sind, die man eher liest statt
verschlingt, die immer nach gleichem Schema verlaufen, statt neue Welten zu
öffnen.
Natürlich werden auch ein paar wenige Clichees in dem Roman
bedient aber ansonsten hat mich das Buch überrascht und die Handlung war ganz anders,
wie ich sie mir nach Lesen der Inhaltsbeschreibung auf der Buchrückseite vorgestellt
hatte und während des Lesens ausmalte.
Der Handlung spielt zu Beginn in Regensburg von 1268. Hauptperson
ist Arigund DeCapella, einziges Kind eines reichen verwitweten Kaufmannes.
Dieser weiß, dass seine Tochter eine gute Partie ist und möchte sie möglichst
hoch verheiraten strebt dabei einen Adelstitel an. Deshalb schickt er sie in
das Adelshaus mit dem er plant sie zu verheiraten, um ihr eine höfische
Erziehung angedeihen zu lassen. Sie wird nach Burg Brennberg geschickt, wo der
Truchsess Reimar von Brennberg und seine Gattin Kunigund von Brennberg
regieren. Diese haben zwei Söhne. Der Älteste Wirtho, der ungehobelt und
gewalttätig aber ein guter Kämpfer ist. Und der Jüngere, Reimar von Brennberg,
der schlau ist und der Minnesangkunst zugetan aber weniger am kämpfen interessiert ist. Schon bald treffen
der junge Reimar und Arigund durch Zufall aufeinander, befinden sich von Anfang
auf einer Wellenlänge, Arigund wird zu Reimars Minneherrin und die beiden
verlieben sich. Arigund wird schließlich aber mit Wirtho verheiratet und muss
sich von nun an als seine Ehefrau durchkämpfen. Reimar geht direkt nach
Bekanntgabe der bevorstehenden Hochzeit auf Wanderschaft, da er diese nicht
ertragen kann. Wirtho verschmäht seine Ehefrau, hat er es doch schon länger auf
deren beste Freundin und Zofe Annelies abgesehen. Doch seine Eltern weisen ihn
in seine Schranken und bald ist doch ein Erbe gezeugt. Als sein Vater stirbt
wird Wirtho Truchsess der Burg und regiert seine Burg von da an willkürlich.
Die Ereignisse schaukeln sich schließlich so weit hoch, dass Annelies mit ihrem
Ehemann flüchten muss, Reimar verschwindet, es zu ein paar Morden kommt und
Arigund, die ihr Kind grausam verliert, ins Kloster abgeschoben werden soll.
Auf dem Weg soll sie jedoch von einer Diebesbande, heimlich angeheuert vom
Truchsess, überfallen und getötet werden. Doch durch ihr Verhandlungsgeschick
befindet sie sich bald auf einer beschwerlichen Reise nach Prag, auf der sie
zur Wandersängerin wird….

Wer in Betracht zieht, das Buch noch zu lesen, sollte die
folgende Aufzählung am besten einfach überlesen. Spoiler-Warnung!
- Interessant
und unerwartet in so einem Roman war für mich, dass Wirtho in einer Höhle
seine geheimen Phantasien mit Annelies an einer armen Magd, die ihr
ähnlich sah, ausgelebt hat und sie dort um sich jederzeit an ihr bedienen
zu können angebunden hat. Durch einen kurzen Hinweis im Buch einige Seiten
zuvor hatte ich eher damit gerechnet, dass Wirtho diese Magd umgebracht
hatte und man sie irgendwann im Laufe des Buches tot auffinden würde, doch
da habe ich mich geirrt.
- Auch
hatte ich nicht damit gerechnet, dass Arigund monatelang mit zwei
heruntergekommenen Räubern herumreisen würde, und sie erst im letzten
Drittel des Buches überhaupt zur Wandersägerin werden würde, überhaupt das
Singen erst gegen Ende des Buches zum Beruf würde und der Buchtitel so gar
keine so wichtige Rolle spielte.
- Aber
am erstaunlichsten von allem war für mich, dass Arigund untypischerweise
für historische Romane mit keinem der zwei Kandidaten, die sie liebt oder
geliebt hat zusammenkommt, sondern als allein stehende Burgherrin nach
Brennberg zurückkehrt.
Der Roman war für mich in vielen Dingen nicht vorhersehbar,
was mir sehr gefallen hat. Die Schauplätze haben ständig gewechselt. Dadurch
war die Spannung fast durchgehend vorhanden und am Ende konnte ich das Buch
kaum noch aus der Hand legen. Es tauchten auch noch gegen Mitte-Ende des Buches
wichtige neue Personen auf, mit denen man nicht rechnen konnte. Das Ende war
zwar abrupt aber unerwartet. Auch interessante Nebenhandlungen haben sich immer
wieder geöffnet. Der Roman ist gut geschrieben und angenehm zu lesen. Wer also
einen etwas unvorhersehbareren historischen Roman lesen möchte, ist hier an der
richtigen Adresse. Was die historischen Daten angeht, weiß ich nicht, ob der
Roman einem Geschichtskenner genügt, da ich über die Zeit selber nicht genug
weiß um Umfang und Richtigkeit der Geschichte darum zu bewerten. Die
„Wandersängerin ist auf jeden Fall ein Roman, den ich weiterempfehlen würde.
Eure
Isetta
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