Ich hatte frei und der Wecker klingelte um 5:45 Uhr. Klingt
total verrückt und war es irgendwie auch, aber es kommt noch besser. So früh
bin ich nämlich aufgestanden um wandern zu gehen!
Den Mount Taranaki fand ich schon seit einer Weile sehr
interessant. Das erste Mal sah ich ihn von weitem beim Tongariro Crossing und
er taucht auf jedem Reiseführer als Aushängeschild NZs auf, wegen seiner fast
perfekten Kegelform. Der Mt Taranaki ist
2518 m hoch und ich wollte da unbedingt rauf!
Durch die Zeitumstellung wurde uns übrigens eine Stunde
geschenkt, also hat sich das frühe Aufstehen nicht ganz so schlimm angefühlt. Wir fuhren mit dem Auto zum Besucherzentrum, das auf 946m
liegt, fanden zum Glück einen Parkplatz und machten uns auf den Weg. Im
Vorhinein machten wir uns etwas Gedanken, ob die Wanderung nicht zu schwer sein
könnte, aber wir hatten uns gut informiert und an dem Morgen waren relativ
viele Leute dort, sodass wir einfach hinterher liefen.
Zuerst ging es durch
Wald, dann eine Art steile Straße hinauf und über uns war es bewölkt. Nach
einem Stück unbefestigtem Weg kam die Tahurangi Lodge auf 1492m, wo wir in den
Wolken waren. Anschließend wurde es um einiges anstrengender: gefühlte tausend
Treppen, wodurch wir ordentlich Höhe machten. Hier kamen wir langsam aus den
Wolken, ein atemberaubendes Gefühl! Wir hatten geniales Wetter und über den
Wolken wurde es richtig warm.
Nach etwas normalem Vulkangestein kam der „Lizard“, ein
steiles Feld aus weichem Vulkangestein, so dass man drei Schritte macht und
zwei wieder zurück sinkt. Danach fing das Klettern an. Stangen markierten den
Weg und wir folgten teilweise den Leuten vor uns, suchten uns manchmal eine
eigene Strecke. Dieses Stück zog sich wie Kaugummi, aber immerhin konnten wir
den Gipfel sehen. Zuerst ging es noch durch den Krater über ein Schneefeld und
dann den letzten Anstieg bis ans Ziel.
Oben war es immer noch warm (die
Handschuhe hätten wir nicht einpacken müssen) und der Blick war wunderschön.
Überall Wolken, zwischendurch ein Streifen Meer. Wir fragten uns, ob man
vielleicht die Südinsel sehen könnte. Auf jeden Fall sahen wir den Mt Ruapehu
durch die Wolken lugen, der ja auch recht weit weg ist.
Auf dem Gipfel gönnten wir uns eine längere Mittagspause,
bis wir uns wieder auf den Weg nach unten machten. Am Ende des Tages
verschwanden sogar die Wolken und wir sahen, wie hoch wir ein paar Stunden
zuvor waren. Für die Wanderung haben wir übrigens geschlagene zehn Stunden
gebraucht. Hätte man sicher schneller schaffen können, aber ich bin heute noch
stolz, überhaupt dort oben gewesen zu sein!
Abends war noch eine wunderschöne Mondfinsternis, durch die der Mond riesen groß
und rötlich aussah.
Definitiv der anstrengendste, aber einer meiner schönsten
Tage in Neuseeland!
eure Charlotte