Vor dem „nach Hause gehen“ hatte ich ehrlich gesagt schon ein bisschen
Panik. In allen facebook-Backpacker-Gruppen liest man, wie schlimm es sei,
wieder nach Deutschland zurück zu kommen. Alle seien schlecht gelaunt, unfreundlich
und niemand würde sie mehr richtig verstehen, weil sie eben ein Jahr weg waren
und sich weiter entwickelt haben. Ich muss zugeben, im Flugzeug hat es mich
schon genervt, als die Ansagen auf einmal auch auf Deutsch waren. Dann am Flughafen
dieser Polizist, der Englisch redete und einen schrecklichen deutschen Akzent
hatte…

Aber danach war alles wie früher. Das Straßenschild „Stuttgart,
Heilbronn“ kam mir nicht merkwürdig, sondern ganz normal vor. Fast schon, als
hätte es dieses Jahr nicht gegeben, als wär ich nie fort gewesen. In unserem
Ort gibt es neue dreißger-Zonen, ansonsten ist alles beim Alten. In meiner
Wohnung: alles beim Alten. Zum Glück gilt das auch für die wichtigen Dinge:
Familie und Freunde. Man kann genauso wie früher reden, der Alltag tut
überraschend gut. Morgens wieder eine große Tasse vom Lieblingstee und zwei
Brötchen. Ich mochte zwar meine Routine in NZ, aber die alte gefällt mir doch
besser.

Klar hab ich mich in NZ ein bisschen verändert, weiterentwickelt, aber ich hab nicht das Gefühl, nicht verstanden zu werden. Alle
haben Verständnis dafür, dass ich meine Gastfamilie ein bisschen vermisse und
hören sich gern meine Geschichten an. Ich hab auch großes Glück mit meinen
Freunden, aber sollte es andererseits nicht auch normal sein, dass sie die
Bilder von meinem Auslandsjahr gerne sehen wollen? Aber das Schönste ist
eigentlich, dass dieses Jahr nicht im Mittelpunkt steht. Uns fallen ab und zu
Sachen ein, die wir noch nicht erzählt haben, aber wir können genauso gut
stundenlang über belanglosen Unsinn reden; einfach so wie früher.

Von den Deutschen war ich übrigens positiv überrascht.
Gleich am zweiten Tag im Supermarkt redete die Verkäuferin an der Fleischtheke
über ihren Tag und das Wetter. Auch die Frau an der Kasse war richtig
freundlich. Vielleicht ist das in Deutschland nicht ganz so selbstverständlich
wie in NZ, aber auch hier gibt es nette Leute. Erst gestern stieg ich aus der
Bahn aus und sah eine ältere Dame, die versuchte, ihren Koffer die Treppen hoch
zu hieven. Da blieb ein junger Mann, Anfang 20, stehen und trug ihr den Koffer
die Treppen hinauf bis an den Bahnsteig. Auf der Straße gibt es schon
vergleichsweise viele grimmige Menschen, aber auch das stört mich nicht
besonders. Wenn ich gut drauf bin lächle ich auch mal fremde Leute an und
entweder ich bekomm ein Lächeln zurück, oder sie schauen verwirrt. Mit beidem
hab ich mein Ziel erreicht, denn verwirrt sieht definitiv besser aus, als
schlecht gelaunt.

Ich denke man sollte mit einer positiven Eistellung nach
Hause kommen und sich die gewonnene Offenheit beibehalten. Wär ich mit einer so
negativen Einstellung in NZ rumgelaufen, wie es viele Backpacker in Deutschland
machen, hätte ich wahrscheinlich auch nur die unfreundlichen Menschen wahr genommen.
Deshalb öfter mal Andere nett anlächeln und nicht zu sehr in den alten Trott zurück rutschen.
Vielleicht ist die Jugend von heute ja sogar freundlicher als die ältere
Generation!
eure Charlotte