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Samstag, 15. August 2015

Wie einfach es ist, wieder anzukommen



Vor dem „nach Hause gehen“  hatte ich ehrlich gesagt schon ein bisschen Panik. In allen facebook-Backpacker-Gruppen liest man, wie schlimm es sei, wieder nach Deutschland zurück zu kommen. Alle seien schlecht gelaunt, unfreundlich und niemand würde sie mehr richtig verstehen, weil sie eben ein Jahr weg waren und sich weiter entwickelt haben. Ich muss zugeben, im Flugzeug hat es mich schon genervt, als die Ansagen auf einmal auch auf Deutsch waren. Dann am Flughafen dieser Polizist, der Englisch redete und einen schrecklichen deutschen Akzent hatte… 


Aber danach war alles wie früher. Das Straßenschild „Stuttgart, Heilbronn“ kam mir nicht merkwürdig, sondern ganz normal vor. Fast schon, als hätte es dieses Jahr nicht gegeben, als wär ich nie fort gewesen. In unserem Ort gibt es neue dreißger-Zonen, ansonsten ist alles beim Alten. In meiner Wohnung: alles beim Alten. Zum Glück gilt das auch für die wichtigen Dinge: Familie und Freunde. Man kann genauso wie früher reden, der Alltag tut überraschend gut. Morgens wieder eine große Tasse vom Lieblingstee und zwei Brötchen. Ich mochte zwar meine Routine in NZ, aber die alte gefällt mir doch besser. 



Klar hab ich mich in NZ ein bisschen verändert, weiterentwickelt, aber ich hab nicht das Gefühl, nicht verstanden zu werden. Alle haben Verständnis dafür, dass ich meine Gastfamilie ein bisschen vermisse und hören sich gern meine Geschichten an. Ich hab auch großes Glück mit meinen Freunden, aber sollte es andererseits nicht auch normal sein, dass sie die Bilder von meinem Auslandsjahr gerne sehen wollen? Aber das Schönste ist eigentlich, dass dieses Jahr nicht im Mittelpunkt steht. Uns fallen ab und zu Sachen ein, die wir noch nicht erzählt haben, aber wir können genauso gut stundenlang über belanglosen Unsinn reden; einfach so wie früher.



Von den Deutschen war ich übrigens positiv überrascht. Gleich am zweiten Tag im Supermarkt redete die Verkäuferin an der Fleischtheke über ihren Tag und das Wetter. Auch die Frau an der Kasse war richtig freundlich. Vielleicht ist das in Deutschland nicht ganz so selbstverständlich wie in NZ, aber auch hier gibt es nette Leute. Erst gestern stieg ich aus der Bahn aus und sah eine ältere Dame, die versuchte, ihren Koffer die Treppen hoch zu hieven. Da blieb ein junger Mann, Anfang 20, stehen und trug ihr den Koffer die Treppen hinauf bis an den Bahnsteig. Auf der Straße gibt es schon vergleichsweise viele grimmige Menschen, aber auch das stört mich nicht besonders. Wenn ich gut drauf bin lächle ich auch mal fremde Leute an und entweder ich bekomm ein Lächeln zurück, oder sie schauen verwirrt. Mit beidem hab ich mein Ziel erreicht, denn verwirrt sieht definitiv besser aus, als schlecht gelaunt. 



Ich denke man sollte mit einer positiven Eistellung nach Hause kommen und sich die gewonnene Offenheit beibehalten. Wär ich mit einer so negativen Einstellung in NZ rumgelaufen, wie es viele Backpacker in Deutschland machen, hätte ich wahrscheinlich auch nur die unfreundlichen Menschen wahr genommen. Deshalb öfter mal Andere nett anlächeln und nicht zu sehr in den alten Trott zurück rutschen. Vielleicht ist die Jugend von heute ja sogar freundlicher als die ältere Generation!




eure Charlotte

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