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Samstag, 22. November 2014

Esteros del Ibera – die „Sümpfe“ Teil 3



Bootstour ins Blaue



Das Dorf bietet mehrere Touren an, in denen man sich das Sumpfgebiet, in dem es liegt, genauer anschauen kann. Das erste, was wir gemacht haben, war eine Bootstour durch die Sümpfe. Wir mussten alle Schwimmwesten tragen, doch auch wenn das Wasser tiefblau war, wollte ich lieber nicht darüber nachdenken, ins Wasser zu fallen, da es in diesem Gewässer wilde Kaimane gibt. Wir sind in einer Gruppe von 10 oder 20 Leuten in einem Motorboot hinausgefahren.


Das erste was wir auf der Bootstour gesehen haben war dieser Vogel…



Ich muss sagen er wirkt nicht besonders hübsch, ist eher unscheinbar, hat aber eine schöne Geschichte, die ihn gleich viel beeindruckender erscheinen lässt. Dieser Vogel (ich habe den Namen vergessen, denn er ist in einer einheimischen Sprache) findet einmal in seinem Leben einen Partner und bleibt sein ganzes Leben lang mit diesem zusammen. Wenn einer der Partner stirbt, dann stirbt der andere auch. Sehr dramatisch. Das nenne ich bedingungslose Liebe und Treue. Ich muss sagen: Hut ab, ich habe echt Respekt vor diesen Vögeln.

Und dann sah ich das, worauf ich mich schon die ganze Zeit gefreut habe und wofür ich schon die ganze Zeit meine Kamera bereitgehalten habe, um bei dessen Anblick auch ja sofort ein Foto machen zu können.


Was da halb im Gras verborgen liegt, ist der erste Kaiman, den ich in freier Wildbahn gesehen habe und ich muss zugeben ich war ein wenig aufgeregt. Das sind echt schöne Tiere muss ich sagen und ich halte lieber respektvollen Abstand, denn obwohl sie reglos, scheinbar unbeteiligt in dem hohen Gras liegen, bin ich mir sicher, dass sie jede unserer Bewegungen wahrgenommen und beobachtet haben und blitzschnell reagieren können. Die meisten Kaimane, die ich gesehen habe waren schätzungsweise ein bis zwei Meter lang und lagen überall auf den schwimmenden Inseln der Sümpfe in der Sonne. Ich habe glaub ich nur einmal einen schwimmen sehen und auch nur, weil er vor uns geflüchtet ist.




Ein komischer Anblick ist es auch wie Wasserschwein und Kaiman nebeneinander auf einer schwimmenden Insel sitzen, sich diese sozusagen teilen. Mir ist bewusst das diese Tiere in ausgewachsener Form wohl kaum eine Gefahr füreinander sind, da Wasserschweine Pflanzenfresser sind und viel zu groß, um von einem Kaiman gefressen zu werden, trotzdem ein ungewohnter Anblick.


Wasserschweine sind für mich die sympathischsten Tiere die ich im Sumpf gesehen habe. Sie sind unglaublich massig und es wundert mich echt wie diese Tiere sich mit ihrer Körpermasse über Wasser halten können. Auch lustig ich glaube wenn man diese Tiere zuerst schwimmend sehen würde denkt man, dass es kleine Wasserratten oder so etwas sind und würde diese Tiere niemals so groß schätzen nicht glauben wie viel Körpermasse da unter der Wasseroberfläche verborgen liegt. Außerdem sind sie die Ruhe in Person, ausgeglichen, völlig friedfertig und bleiben ungerührt stehen, selbst wenn man wenige Zentimeter nah an sie herankommt. Sie sehen außerdem echt niedlich aus und ich hätte unglaublich gerne Baby-Wasserschweine gesehen.


Was man auch viel sieht sind Vögel. Viele Arten die übers Wasser laufen können mit einem ziemlich lustigen Gang. Auch Störche, kleinere bunte Singvögel, Spechte und vor allem Kormorane. Schwarze Wasservögel die wir oft über uns fliegen gesehen haben oder sitzend wie auf diesem Strommasten mitten im Sumpfgebiet, der einen anderen Teil Argentiniens mit Strom versorgt.




Aus weiter Ferne haben wir auch einmal einen Sumpfhirsch und ein Sumpfreh gesehen, die weit draußen gegrast haben. Das war echt Glück, denn diese Tiere sieht man eher seltener.




Der Höhepunkt der Bootsfahrt war aber eine Kaimanmutter mit ihren Jungen. Echt traurig wenn man darüber nachdenkt, dass es anfänglich ca. 60 Stück sind und der Großteil davon stirbt, bevor sie auswachsen können. Wir haben 20 gezählt, die alle verteilt auf der Mutter oder im Gras aufeinander lagen und sich gesonnt haben. Alle ca. eine Handspanne groß. Seelenruhig, obwohl wir mit dem Boot bis auf wenige Zentimeter herangefahren waren.





Erstaunlich finde ich auch, dass das Sumpfgebiet eine einzige große Wasserfläche ist, auf der Wasserpflanzen herumschwimmen und die es zu Inseln zusammentreibt, sodass sogar Wasserschweine und Kaimane darauf ruhen können. Nichts ist also fest dort, die Inseln können sich stündlich, täglich neu formieren. Nur die Inseln, auf denen Bäume wachsen, sind fester. Wenn man sich auf eine dieser Inseln stellen würde, würde sie aber trotzdem nachgeben und ein Stückchen weiter unter Wasser gedrückt werden. Überall schwimmen im Wasser vereinzelte Wasserpflanzen herum. Die Landschaft ist einfach unglaublich schön und besteht aus kräftigen Farben. Das Wetter war genial an dem Tag, an dem wir rausgefahren sind, und das Wasser hat in einem kräftigen blau gestrahlt, harmoniert perfekt mit dem satten grün der Vegetation. Man sieht einfach kein Ende, das Sumpfgebiet scheint unendlich in den Horizont hineinzuragen. In einem Moment ist die Wasserfläche glatt, im anderen Moment kräuselt sie sich fein, angetrieben von der leichten Brise oder stärkerem Wind, der übers Wasser weht.

eure Isetta 

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